In den späten 1950er Jahren begann Lucio Fontana, die Oberfläche seiner Leinwände einzuschneiden. Er nannte die Serie Concetto Spaziale, Attese, „Räumliches Konzept, Erwartung“. Im Italienischen bedeutet attese Warten oder Erwartung. Fontanas Schnitt durch die Oberfläche war keine Zerstörung. Er war eine Öffnung, eine Geste hin zum Raum, zur Spannung und zum Geheimnis, das in einer einzigen Oberfläche steckt.
ATÉSE trägt seinen Namen, und seinen Instinkt, aus genau dieser Geste. Ein einziger Schnitt verleiht einer flachen Fläche eine dritte Dimension: Mehrdeutigkeit, Tiefe, etwas Angedeutetes statt Gezeigtes. Kleidung funktioniert am Körper genauso. In der Spannung zwischen Stoff und Haut, Weichheit und Struktur, Verbergen und Enthüllen lebt diese Kollektion.
Jedes Stück wird in Italien gefertigt, vorwiegend aus Deadstock-Stoffen europäischer Luxushäuser. Die Produktion erfolgt über ein zertifiziertes Sozialunternehmen außerhalb Mailands, das Menschen aus benachteiligten Verhältnissen ausbildet und beschäftigt. Jede Kollektion baut auf der vorherigen auf und ist so konzipiert, dass sie zusammen und einzeln funktioniert, von morgens bis abends, über Kontexte und Jahre hinweg.
Fontana sagte einmal, Kunst sei ewig, könne aber nicht unsterblich sein. Unsterblich bedeutet erstarrt, widerstandsfähig gegen die Zeit. Ewig bedeutet, weiterhin wahr zu bleiben, während die Zeit hindurchzieht. ATÉSE entwirft Silhouetten für all die unterschiedlichen Versionen, zu denen eine Frau im Laufe der Zeit wird.